Seidene Strickweste des Pfalzgrafen Ottheinrich

Historischer Verein Neuburg an der Donau

Beschreibung

Die langärmelige Weste mit einer in der unteren Rückennaht eingesetzten, fächerförmigen Falte ist aus beigefarbigem Seidengarn in je zwei Vorder- und Rückenteilen gestrickt und diente wahrscheinlich als wärmendes Kleidungsstück, das unter der prunkvollen Oberbekleidung getragen wurde. Ihrer Form und Größe nach zu urteilen wurde die seidene Strickweste möglicherweise erst kurz vor Pfalzgraf Ottheinrichs (1502 - 1559) endgültigem Weggang als Pfälzer Kurfürst nach Heidelberg noch in Neuburg, wo zu der Zeit Seidensticker nachweisbar sind, für ihn gearbeitet. In zweierlei Hinsicht stellt dieses, trotz seines kostbaren Materials keineswegs repräsentative Kleidungsstück dennoch ein höchst bedeutsames Zeugnis dar. So sind Textilien aus dieser Zeit nur sehr selten erhalten, andere Kleidungsstücke Ottheinrichs sind nicht überliefert. Weiterhin zeugen die enormen Maße der Weste, die Weite entspricht einem Brustumfang von rund 200 - 235 cm, anschaulich von Ottheinrichs körperlicher Verfassung in seinen letzten Lebensjahren. War der Pfalzgraf und spätere Kurfürst zwar schon in jüngeren Jahren "schweren Leibs" geworden, so wird hier nicht nur die zuletzt enorme, krankhafte Fülle des späten Ottheinrich unmittelbar nachvollziehbar, auch weiter Details seiner körperlichen Leiden lassen sich an der Weste ablesen. So zeigen Bildnisse Ottheinrich in seinen letzten Lebensjahren in etwas nach vorn gebeugter Körperhaltung. Die leicht nach vorn versetzten Ärmel der Weste lassen vermuten, dass der kranke Fürst überwiegend in dieser Haltung verharrte und sich kaum mehr bewegen konnte.

Autor

Eva Gerum M.A., Historischer Verein Neuburg an der Donau

Rechtehinweis Beschreibung

CC BY-NC-ND 4.0