Eisenvotiv, Tierfigur einer Ziege

Historischer Verein Neuburg an der Donau

Beschreibung

Die vier grob geschmiedeten Figuren (V 0546, V 0547, V 0548, V 0549) sind eiserne Votive. Als Fundort verzeichnet der "Katalog der Grasseggerschen Sammlung" das "Unterstaller Gemeindeholz in der Nähe der Grabhügel". Eisen ist häufig mit der Verehrung des Heiligen Leonhard von Limoges (um 500-559) verbunden. Der Grund ist das Patronat dieses Heiligen für Gefangene und bäuerliches Nutzvieh. Sowohl die Ketten der Gefangenen als auch die Viehketten wurden an Leonhards-Wallfahrtsstätten nach erfolgter Rettung oder Heilung dargebracht, als Zeichen für die positive Wirkung einer Anrufung des Heiligen. Auch geschmiedete Eisenfiguren sind innerhalb der Leonhardsverehrung charakteristisch und weit verbreitet. Die Eisenopfer sind häufig "Identifikationsopfer", d. h. Nachbildungen der eigenen hilfesuchenden Person oder des Bereichs, für das durch Gebet und Wallfahrt göttliche Hilfe erfleht wird. Auch andere Heilige als Leonhard waren die Empfänger von "Eisenopferspenden". Eisenopfer zum Heiligen Magnus von Füssen (8. Jahrhundert), dem die Kirche in Unterstall geweiht ist, sind aus der einschlägigen Literatur allerdings nicht bekannt. Die Forschung schreibt einem Votiv in Krötenform eine besondere Bedeutung zu. Dahinter stehe die bis in die Antike zurückreichende, noch für die Frühe Neuzeit belegte Vorstellung, im Körper des Menschen können sich lebende Tiere aufhalten und dort Krankheiten verursachen. Demnach sei die Kröte ein Symbol für die Gebärmutter und alle damit zusammenhängenden Problematiken und Krankheiten.

Autor

Dr. Stephan Bachter, Volkskundler und Historiker, Holzen

Rechtehinweis Beschreibung

CC BY-NC-ND 4.0