Beschreibung
Eine Besonderheit jüdischer Anwesen waren die Laubhütten. Dabei handelt es sich um Räume, in denen sich die Familien während des herbstlichen Sukkot, des Laubhütten-Fests, aufhielten und die Mahlzeiten einnahmen. Dies richtet sich nach dem biblischen Gebot, wonach sich Israel an sein Wohnen in Hütten bzw. Zelten während der Wüstenwanderung erinnern sollte (Leviticus 23, 39-43). Häufig wurde auch ein Dachraum des Hauses so gestaltet, dass er während der Festzeit durch eine Klappe bzw. spezielle Einrichtung geöffnet werden konnte. Während entsprechende Räume in einigen früheren jüdischen Häusern im benachbarten Krumbach (Hürben) nachweisbar sind, wurden sie in Ichenhausen bisher nicht festgestellt. Laubhütten, die in Gärten freistehend errichtet wurden, sind seltener. In Ichenhausen hat sich diese freistehende Laubhütte im Garten des Hauses Annastraße 9 erhalten, das 1829 erbaut wurde und bis 1939 Eigentum der jüdischen Familie Stern war. Damals wurde das Dach während des Sukkotfestes abgenommen und Laubwerk aufgelegt, durch das, der religiösen Vorschrift gemäß, der Sternenhimmel durchscheinen konnte.