Holzspielzeug, bewegliche Katze auf Rollbrett

Museum Oberschönenfeld

Beschreibung

Das Nachziehtier, eine schwarze Katze auf einem Rollbrett, ist aufwendig aus Laubholz gesägt und geschnitzt sowie mit leuchtend grünen Augen und einem roten Halsband akzentuiert: Beim Ziehen des Spielzeugs bewegt eine mit den Rädern verbundene Schubstange Kopf, Beine und Schwanz der Katze. Das Nachziehtier erwarb der Verkaufsleiter der Maschinenfabrik Dechentreiter (1899–1979) aus Bäumenheim (Lkr. Donau-Ries) um 1942 als Geschenk für seinen Sohn (geb. 1937) bei einem in der Firma als Zwangsarbeiter eingesetzten Kriegsgefangenen aus Osteuropa. Aus den Holzabfällen des Landmaschinenherstellers, der während des Zweiten Weltkrieges für die Rüstungsindustrie produzierte, fertigten die dort arbeitenden Kriegsgefangenen Spielzeuge an, die sie im Ort gegen Geld oder Lebensmittel tauschten. Als Notspielzeug bezeichnete selbstgefertigte Spielsachen entstanden vor allem ab 1943, als Spielzeugfabriken zu Rüstungsbetrieben umfunktioniert wurden, sowie in den Mangeljahren der Nachkriegszeit. Gebaut aus leicht verfügbaren Materialien wie Holz, Blechdosen und Stoffresten, aber auch aus Kriegsmüll wie Patronenhülsen und Gasmaskenfiltern, entstanden unter anderem einfache Puppen, Tiere und Autos sowie detailreiche Puppenhäuser und funktionsfähige Tretroller.