Beschreibung
Zu den Besonderheiten des Sennfelder Kirchenmusikbestandes gehört, dass für Beerdigungen und Trauungen gesonderte Werke, wahrscheinlich auf Bestellung, geschaffen wurden. Die Noten enthalten dabei manchmal sogar Angaben, für welche Personen diese Musik aufgeführt wurde.
Für Bestattungen liegen aus dem Sennfelder Notenbestand eine Reihe von Motetten (frz. "motet", mehrstimmige, geistliche Chorkomposition) vor, aus denen hervorgeht, dass "a cappella" (Chorgesang ohne instrumentale Begleitung) gesungen wurde. Dies gilt auch für die hier gezeigte Motette des Kantors und Komponisten Johann Leonhardt Ludwig (1768-1812) mit dem Titel "Gute Nacht o Welt", die als "Leichenmusik" im Rahmen einer Trauerfeier aufgeführt wurde. In einem einfühlsamen Andante wird das Sterben als "Einschlafen" beschrieben.
Text:
"Gute Nacht o Welt, / ich will schlafen gehen. / So fahr ich hin zu Jesu Christ, / mein Arm thu ich ausstrecken. So schlaf ich ein und ruhe fein, / ich will schlafen gehen, / kein Mensch kann mich aufwecken. / Denn Jesus Christus Gottes Sohn, / Gott wird die Himmelsthür aufthun, / mich führen zum ewgen Leben. / Gute Nacht o Welt."
Es existieren Abschriften von 1791 und 1797. Im Stimmensatz von 1797 sind ein Bass 1 und ein Bass 2 vorhanden, sie unterschieden sich jedoch nur in der Oktavierung eines B in maximal vier Takten des Stückes. Am Ende der Partitur befinden sich Anmerkungen wie das jeweilige Aufführungsdatum sowie die Namen der Verstorbenen.
Autor
KMD Jörg Wöltche