Beschreibung
Käthe Kollwitz, 1867 in Königsberg (Preußen, heute: Kaliningrad) geboren und 1945 in Moritzburg bei Dresden verstorben, ist eine der bekanntesten deutschen Künstlerinnen des Realismus und Expressionismus im 20. Jahrhundert. Sie war Grafikerin, Malerin und Bildhauerin. In ihren Kunstwerken griff sie mit ungeschöntem Blick menschliche Themen und Missstände ihrer Zeit und der Geschichte auf. Persönliche Lebenserfahrungen flossen dabei in ihr Werk mit ein.
Die mit "Schlachtfeld" betitelte Zeichnung entstand im Jahr 1907. Es handelt sich um eine vorbereitende Studie für eine Druckgrafik desselben Jahres, die zum Zyklus "Bauernkrieg" gehört. Im Mittelpunkt der Komposition steht eine dunkel gekleidete, ältere Frau, die sich über eine am Boden liegende junge männliche Gestalt beugt. In ihrer linken Hand hält die Frau eine Lichtquelle, deren Strahl auf den Kopf des jungen Mannes trifft. Mit ihrer rechten Hand berührt sie sein Gesicht. Sie hat offenbar auf einem Schlachtfeld eine ihr nahestehende Person in einer Menge von am Boden liegenden Toten gefunden.
Der Zyklus "Bauernkrieg" von Käthe Kollwitz umfasst insgesamt sieben Blätter. Anregung für ihre Motive fand die Künstlerin in einer Geschichte zum Bauernkrieg, die der Historiker Wilhelm Zimmermann (1807-1978) 1840 bis 1843 geschrieben hatte. Diese erschien als illustrierte Volksausgabe im Jahr 1891, welche Kollwitz vorlag. Die Aufstände fanden ab 1525 statt und richteten sich gegen den die Bauern beherrschenden Adel. Sie sind als Freiheitskampf zu verstehen.