Kopflose Falkenstatue mit Beterstatue

Staatliches Museum Ägyptischer Kunst München

Beschreibung

Zwischen den Beinen der kopflosen Falkenstatue steht die Figur eines kleinen betenden Königs. Dieser trägt das Königskopftuch mit Uräusschlange und einen langen, bis zu den Knöcheln reichenden Schurz, auf den die ausgestreckten Hände in einem Betgestus gelegt sind. In der senkrechten Inschriftzeile wird Nektanebos II., der letzte einheimische Herrscher Ägyptens, genannt. Er wird als „der Erwählte des Imhotep, Sohn des Ptah“ bezeichnet, bezieht sich also auf den memphitischen Lokalgott Imhotep, der den historischen Präzedenzfall der Vergöttlichung eines sterblichen Menschen liefert. Dies ist bemerkenswert, da sich Nektanebos mit dem Beiwort „der Falke“ in Memphis selbst vergöttlicht und dort einen eigenen Kult erhalten hat, um damit auf religionspolitischer Ebene den – erfolglosen – Versuch der Absicherung der untergehenden letzten Dynastie zu unternehmen. Der ägyptische König ist seit Beginn der ägyptischen Geschichte der „lebende Horus“ auf Erden, die Inkarnation des Himmelsgottes. Die Interpretationsmöglichkeiten dieses sehr seltenen Statuentyps sind daher vielschichtig: Zum einen ist der Gott Horus in seiner himmlischen Erscheinungsform als Falke und seiner irdischen Gestalt als König dargestellt, zum anderen wird durch den Falken auf die göttliche Natur des Königs angespielt. Und vordergründig begibt sich der betende König in den Schutz des Gottes.