Standfigur eines Königs

Staatliches Museum Ägyptischer Kunst München

Beschreibung

Die kleine Figur eines Königs im klassischen Stand-Schreit-Typus streckt den linken Unterarm senkrecht nach vorn, der rechte Arm hängt am Körper herab. Sie ist mit dem üblichen dreigeteilten plissierten Königsschurz bekleidet. Ungewöhnlich ist die Kopfbedeckung: Statt einer Krone (oder einem Kopftuch) trägt sie eine enganliegende Kappe, von der im Nacken zwei Bänder weit auf den Rücken herabreichen. Über der Stirn sitzen zwei Uräusschlangen. Dies ist die charakteristische Kopfbedeckung der Könige der 25. Dynastie (ca. 740-656 v. Chr.) und Zeichen ihrer Doppelherrschaft über Ägypten und das Reich von Napata. Zu ihrem Ornat gehört außerdem ein kleiner Anhänger in Gestalt eines Widderkopfes, der um den Hals getragen wird. Diese „Schwarzen Pharaonen“ stammten tief aus dem Süden, dem heutigen Sudan, ihre Hauptstadt Napata liegt am Gebel Barkal, dem heiligen Berg unweit des 4. Nilkatarakts. Die Zeit ihrer Herrschaft über Ägypten wird dort als 25. Dynastie gezählt: Das einzige Mal in der Geschichte hatte das sonst meist von Ägypten beanspruchte und besetzte Land den nördlichen Nachbarn bezwungen. Kleine Königsfiguren sind in der Spätzeit oft Teile eines größeren Ensembles und stehen oder knien auf einer gemeinsamen Basis vor einer größeren Götterfigur. Den Hinweis auf einen derartigen Kontext könnte der erhobene linke Arm liefern, mit dessen Hand der König wohl einen Gegenstand gehalten hat: ein Gefäß für eine Trankspende, eine Hes-Vase, oder eine kleine Figur der Göttin Maat.