Kabinettscheibe mit Wappen des Martin III. Tucher (1524–1555)

Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal

Beschreibung

Kleinformatige Kabinettscheiben wie das Rundwappen von Martin III. Tucher (1524–1555) waren seit dem späten 15. Jahrhundert für Kirchen oder Privathäuser üblich und wurden als Teil des Fensterschmucks in die Verglasung mit Butzenscheiben eingesetzt. Die Scheibe ist ganz in Schwarzweiß und Silbergelb ausgeführt. In einem Lorbeerkranz erscheint die Kartusche mit dem Tucherwappen, sie wird wohl von „MARTTIN TVCHER“ selbst gehalten. Als typischer Vertreter des Nürnberger Patriziats trägt er festliche, schwarze Kleidung und eine goldene Gliederkette. In seiner Linken hält er einen trichterförmigen Pokal. Ohne störende Sprungbleie wird die Qualität der Zeichnung und der Rankenornamentik sichtbar. Martin, Erstgeborener von Lorenz II. Tucher (1490–1554), dem Erbauer des Tucherschlosses in Nürnberg, starb kinderlos bald nach seiner Heirat mit Magdalena Müllner. Die Verantwortung ging an seinen jüngeren Bruder Adam I. (1536–1575) über, von dem sich eine gleichartige Kabinettscheibe erhalten hat. Vielleicht sind beide Wappen nach einem Entwurf von Jost Amman (1539–1591) entstanden, der mehrfach für die Tucher gearbeitet hatte, und waren ursprünglich in die Fenster des Tucherschlosses eingelassen.

Autor

Claudia Däubler-Hauschke