Tapisserie/Verdüre mit großen Blättern und Vögeln

Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal

Beschreibung

In geradezu illusionistischer Wirkung sitzen große Vögel und kleinere Tiere zwischen mächtigen verschlungenen Blättern der Tapisserie. Exotische wie heimische Tiere (Papagei, Kranich, Fasan, Libelle, Schmetterling, Schnecke) sowie Beeren und Blüten vermitteln eine überbordende Naturdarstellung. Eine dreiteilige Serie großer Verdüren mit ganz ähnlichen Blättern, Blüten und Vögeln, die in Enghien im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts gewirkt wurde, befindet sich heute in Wien im Kunsthistorischen Museum. Ihre Entstehung fällt in die eigentliche Blütezeit von Enghien, das in reger künstlerischer und wirtschaftlicher Beziehung zu Antwerpen stand. In Enghien wurden zahlreiche großblättrige Verdüren dieser Art gewirkt, die allerdings keine lokale Sonderheit darstellen, sondern in verschiedenen flämischen Tapisseriezentren mit gewissem regionalem Einschlag gefertigt wurden. So bestand die zahlenmäßig größte Produktion an Verdüren in Oudenaarde, das ebenfalls für großblättrige Verdüren bekannt war. Wie in den meisten Orten, die nicht über große Manufakturen, sondern über eine Anzahl nebeneinander bestehender mittlerer und kleinerer Betriebe verfügten, lag das Hauptgewicht der Wandteppicherzeugung auf den einfacheren Arbeiten, vor allem den Verdüren und Gartenteppichen. Gerade in diesen Bereichen zeichneten sich die Arbeiten aus Enghien im 16. Jahrhundert aus.

Autor

Andrea Mayerhofer-Llanes