Wirkteppich/Verdüre mit Hund und Fasan

Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal

Beschreibung

Der Wirkteppich gehört zu einem dreiteiligen nahezu identischen Ensemble (vgl. HI Te 007 und HI Te 009). Zum Teil haben die gleichen Kartons Verwendung gefunden, wie bei der 1545 datierten Tapisserie mit doppeltem Allianzwappen von Lorenz II. Tucher und seiner Frau Katharina Straub, dem Erbauerpaar des Tucherschlosses in Nürnberg. An der rechten Seite ist die Verdüre um das Motiv des springenden Hundes kürzer. Die Gestaltung der Bordüren der einzelnen Tapisserien unterscheidet sich in Details voneinander. Es kommen zwar immer wieder die gleichen Bouquets zur Anwendung, jedoch sind sie unterschiedlich angeordnet. Die Verdüren, die in ihrer Entwicklung auf die Millefleurs-Tapisserien der Spätgotik zurückgehen, nahmen im 16. Jahrhundert häufig auch Tiere auf. Verschiedene Vögel, Schmetterlinge, Schnecken oder aber, wie hier, kleine Jagdszenen, finden sich häufig. Die Jagd war das Privileg des Adels und ein geeignetes Sujet für die Wiedergabe auf den repräsentativen Wandbehängen. Um so passender scheint die Verdüren-Serie für das Tucherschloss, das ursprünglich als Gartenanwesen errichtet wurde. Auch das Motiv der bauchigen Henkelvasen mit chinesischem Dekor zeugt vom höfischen Anspruch der Darstellung. Durften doch die kostbaren und äußerst begehrten chinesischen Porzellane im 16. Jahrhundert in keiner Kunstkammer fehlen.

Autor

Andrea Mayerhofer-Llanes