Wirkteppich/Verdüre mit Fasan

Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal

Beschreibung

Die Tapisserie gehört zu einem mehrteiligen Ensemble der Erstausstattung des Tucherschlosses in Nürnberg. Drei dieser Verdüren sind nahezu identisch gearbeitet, wobei eine (HI Te 007) das Zeichen der Stadt Enghien und eine bisher noch nicht identifizierte Wirkermarke trägt. Zu den frühesten erhaltenen Tapisserien aus Enghien zählen zwei Verdüren mit Wappen, die Margarete von Österreich 1527 bei Henri van Lacke in Auftrag gegeben hat (heute in Budapest) und außerdem die Verdüren mit dem Wappen der Stadt Tallinn, die 1547 für das Rathaus gefertigt wurden und sich noch heute in Tallinn befinden. Derartige Aufträge aus dem Ausland bezeugen den Bekanntheitsgrad der Tapisserien aus Enghien über die Ländergrenzen hinweg. Im Mai 1544 erging in Brüssel ein Erlass von Kaiser Karl V., der für Tapisserien ein Erkennungszeichen ihres Produktionsortes und des Wirkers vorschrieb. Enghiens Wappen zeigt abwechselnd weiße und schwarze Dreiecke, die die Flügel eine Windmühle meinen. Über die Jahrhunderte hinweg haben Tapisserien immer wieder Reparaturen vor allem der äußeren Umrahmung, dem Galon, in dem üblicherweise das Wirkerzeichen und die Stadtmarke eingearbeitet wurde, erfahren. Aus diesem Grund wundert es nicht, dass nur noch wenige die ursprünglichen Zeichen ihrer Herkunft tragen und diese heute um so bedeutungsvoller sind. Die 1545 datierte Verdüren-Serie für die Ausstattung des Tucherschlosses gehört zu der kleinen Gruppe der frühesten gekennzeichneten Tapisserien aus Enghien.

Autor

Andrea Mayerhofer-Llanes