Wirkteppich/Verdüre mit Tucherwappen in Kartusche und Kakaofrüchten

Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal

Beschreibung

Die breite Verdüre mit Blumen und Früchten auf schwarzem Grund zeigt mittig das Wappen der Nürnberger Patrizierfamilie Tucher in einer Kartusche mit der Jahreszahl 1634. Ihre Bordüre wird von einer schwungvoll gewellten Blattranke mit unterschiedlichen Blüten (Tulpen, Nelken, Rosen) gestaltet. Aus dem Mittelfeld platzt eine überbordende Vegetation mit Rosen, Nelken, Iris, Tulpen, Flaschenkürbissen, aber auch exotischen Früchten (Artischocken und Kakaofrüchte). Die vielen Tulpen der Verdüre entsprechen der damaligen Begeisterung für diese Pflanze (Tulpenmanie). Seit ihrem Import nach Europa in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren Tulpen Liebhaberobjekte. Sie wurden in den Gärten privilegierter Kunden kultiviert. Der Handel mit den Blumenzwiebeln erreichte Anfang des 17. Jahrhunderts mit exorbitanten Preisen seinen Höhepunkt. Aus der spitzblättrigen Tulpe wurden in Mitteleuropa bevorzugt gedrungene, rundliche Formen gezüchtet, wie sie auch in dieser Tapisserie vorkommen. Gemeinsam mit den exotischen Kakaofrüchten repräsentieren sie in idealer Weise die Handelsverbindungen und den Reichtum der durch das Tucherwappen personifizierten Kaufmannsfamilie. Ursprünglich wurde die Verdüre als Rücklaken für die Grablege des Geschlechts in St. Sebald verwendet.

Autor

Andrea Mayerhofer-Llanes