Hans VI. Tucher mit Barbara Ebner und Ursula Harsdörffer, Miniatur im Großen Tucherbuch, 1590–1606

Stadtarchiv Nürnberg

Beschreibung

Diese Miniatur im Großen Tucherbuch, dem prunkvollsten der erhaltenen Nürnberger Geschlechterbücher, reiht Hans VI. Tucher (1428–1491) in die Geschichte der Patrizierfamilie Tucher ein. Das repräsentative Bildnis stellt ihn als Pilger mit Barett, knielangem Rock und Schwert dar. Mit seinem Ratskollegen Sebald Rieter (1426–1488) hatte Hans 1479/80 das Heilige Land bereist und später einen populären Reisebericht veröffentlicht. Die Miniatur bildet auch die Insignien seiner erworbenen Ritterorden ab: oben das Jerusalemer Kreuz der Grabesritter, den Schwertorden von Zypern, das Katharinenrad, unten die Jakobusmuschel als Pilgerzeichen und die Glocke des Antonius-Ordens. Rechts von Hans, jeweils mit Familienwappen, stehen seine Ehefrauen: Barbara, geb. Ebner (Heirat 1455, +1467), in Festhaube und geschwungener Körperhaltung, und Ursula, geb. Harsdörffer (Heirat vor 1477, +1504), in Kopfbedeckung mit Schleier. Aus der Ehe mit Barbara gingen neun Kinder hervor, deren Namen auf dem von der Figur der Barbara hinaufsteigenden Ast zu lesen sind. Nur zwei Mädchen und Jungen erreichten das Erwachsenenalter. Ursula, deren Ehe mit Tucher kinderlos blieb, erscheint mit demütigem Blick und überkreuzten Händen. Die Vorzeichnungen für das Tucherbuch machte der aus Zürich stammende Graphiker und Maler Jost Amman. Er konnte vor seinem Tode 1591 aber nur wenige der farbenprächtigen Miniaturen selbst ausführen. Diese Aufgabe übernahm der Nürnberger Künstler Georg Hertz.

Autor

Randall Herz