Kasel für Begräbnisgottesdienst About the Object
  • https://bavarikon.de/object/bav:TKS-PAT-00000BAV80014746
  • Kasel für Begräbnisgottesdienst
  • Enhanced description
    • Süddeutschland (?)
  • nach 1713
  • Höhe: 129,5 cm, Breite: 95 cm / Material: Seidensamt, Seide, Gold- und Silberfaden, Technik: Applikationstechnik, bestickt
    • Kunstsammlung der Familie Tucher von Simmelsdorf
    • Bestände des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg
  • Tucher'sche Kulturstiftung
  • Germanisches Nationalmuseum
    • Germanisches Nationalmuseum - Inventory number: KG 1130
  • Licence of the Metadata: CC0
  • 2020-11-09

Kasel für Begräbnisgottesdienst

nach 1713
  • Süddeutschland (?)

Beschreibung

Die schwarze Kasel aus Seidensamt trägt auf der Rückseite – der damaligen Schauseite – ein großes gesticktes Kruzifix. Es wurde in Applikationstechnik mit Gold-, Silber- und Seidenfaden gearbeitet. Ein Totenkopf auf einer Schlange und gekreuzten Knochen markiert den Fuß des Kreuzes, während seitlich die Wappen der Tucher und Hardesheim auf die Stifter Gottlieb Tucher (1662–1742) und Jacobina Hardesheim (geb. um 1665) verweisen, die die Kasel der evangelischen Kirche zu Engelthal nach 1713 gestiftet haben. Die Vorderseite ziert über die ganze Länge ein Kreuz aus breiter Goldborte. Schwarze liturgische Kleidung wird zur Toten- und Seelenmesse sowie am Karfreitag getragen. In der Zeit der Gegenreformation und noch vor bzw. nach dem Dreißigjährigen Krieg muss es eine Vielzahl mit Totenköpfen und Motiven der irdischen Vergänglichkeit geschmückter liturgischer Gewänder gegeben haben. Papst Clemens VIII. (1592–1605) sprach in einer revidierten Ausgabe des Caeremoniale Episcoporum um 1600 ein ausdrückliches Verbot von Paramenten aus, die mit Emblemen des Todes oder ähnlichen an den Tod erinnernden Motiven ausgestattet waren. Dennoch entstand in der Folgezeit, vor allem im 18. Jahrhundert, der überwiegende Teil der heute noch vorhandenen Paramente dieser Art. Eine um 1730 datierte Dalmatik aus schwarzer Seide mit Vanitasmotiven in der Sammlung des Museums Schnütgen in Köln zeigt vorne einen Totenschädel mit ringsum gekreuzten Knochen.

Andrea Mayerhofer-Llanes