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  • Landstände
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    [...] de Landstände hatten einerseits an der landesherrlichen Macht teil, standen jedoch andererseits als eigenständige Interessenvertretung und damit als Gegenpol dem Fürsten gegenüber. Als Korporationen bildeten sie sich im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit unter den verschiedensten Bezeichnungen in ganz Europa, in Ober- und Niederbayern etwa im 14. Jahrhundert. Kennzeichen aller europäischen Landstände war das Recht auf Steuerbewilligung, mit dem sie eine wichtige Einflussmöglichkeit auf die Politik des jeweiligen Herrschers hatten. Die ständische Verfassung stellte eine vormoderne Stufe des parlamentarischen Systems dar. Die Zusammensetzung der Landstände war von Territorium zu Territorium verschieden; im römisch-deutschen Reich war die Drei-Kurien-Vertretung, bestehend aus Vertretern des Adels, des Klerus und der Städte, vorherrschend. Der Höhepunkt ständischer Macht ist die Zeit um 1500. In der Frühen Neuzeit kam es zu einem Transformationsprozess, in dessen Verlauf sich die Gewichte zwischen Fürst und Landständen verschoben. Seit dem 16./17. Jahrhundert verfügten die Landstände schließlich über verschiedene ständische Gremien und eine ausdifferenzierte Verwaltung, welche die staatlichen Tätigkeiten und die Finanzverwaltung mit überwachte. de Definition 118539205 Otto Gierke Die Bezeichnungen für Ständekorporationen in Europa waren z. B. États généraux (Frankreich), Cortes (Kastilien, Aragón, Portugal), Parliament (England), Ståndsriksdag (Schweden), Staten-Generaal (Niederlande, Generalstaaten), Rigsrådet (Dänemark), Sejm (Polen). Diese Korporationen vereinigten meist Klerus, Adel und Städte eines Landes, selten auch Bauern (im heutigen Bayern etwa in der Fürstabtei Kempten oder der Fürstpropstei Berchtesgaden). Sie übten als Gesamtheit politisch-staatliche Rechte aus. Zu den Rechten gehörte stets die Steuerbewilligung, die es den Ständen erlaubte, umfassend Einfluss auf die Politik des Herrschers zu nehmen. Verbreitet war außerdem die Mitwirkung bei der Gesetzgebung, ferner das Recht, sich zur Regierungstätigkeit, zur Steuerverwendung und zur Besetzung der hohen Ämter zu äußern; dies geschah überwiegend in Form von Gravamina (Beschwerden). Eine unmittelbare Kontrolle der Regierungstätigkeit war jedoch selten. Eine Huldigung durch die Stände bestätigte die Legitimität des neuen Herrschers. Selten hatten die Stände das Recht, den Herrscher zu wählen oder zu erheben (z. B. Ungarn oder Böhmen). Im Reich wählten die Kurfürsten den römischen König. Funktion innerhalb der Staatsbildung Versammlungen der Stände traten zusammen, weil die Herrscher im Interesse des Landes Geld brauchten, etwa für einen Krieg, eine kostspielige Heirat oder die Hofhaltung. Die geforderte außerordentliche Besteuerung war ein Eingriff in das Eigentum, der in Mittelalter und Früher [...]