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Münzen der Kelten

Dieser Bestand ist ein Teil der Sammlung "Große Geschichte im kleinen Format" der Staatlichen Münzsammlung München.

Bereits mit dem Beginn der Latènezeit um 500 v. Chr. spricht man gemeinhin von den Kelten als den Bewohnern des bayerischen Alpenvorlandes. Ab dem 2. Jh. v. Chr. bricht die Zeit der sogenannten Oppidazivilisation an. Unter dem Schutz einer weit umfassenden Wehrmauer kam es innerhalb der Oppida, den ersten Städten Mitteleuropas, zu einer Bevölkerungskonzentration mit einer strikten Arbeitsteilung. Das Oppidum im Bereich des heutigen Manching bei Ingolstadt gilt als eine der Bedeutendsten und Größten jener frühen Städte. In dieser komplexer gewordenen Gesellschaft wurden allmählich die seit langem gebräuchlichen, prämonetären Geldformen durch eine Münzprägung nach mediterranem Vorbild abgelöst.

Die Kelten waren zwar durch eine weitestgehend einheitliche Sprache und Kultur verbunden, jedoch nicht ‚staatlich‘ organisiert, sondern in lokale Stämme politisch fragmentiert. Entsprechend war auch die keltische Münzprägung nicht einheitlich, sondern innerhalb der keltischen Welt in ihrer Organisation und Erscheinung sehr unterschiedlich. Die im heutigen Südbayern ansässigen Kelten wurden um Christi Geburt in einer Inschrift des augusteischen Siegesmonuments von La Turbie (Frankreich) dem Stamm der Vindeliker zugeordnet. Diese Zuordnung lässt sich jedoch nicht ohne weiteres auf das letzte Drittel des 3. Jh. v. Chr. übertragen, als die Prägung von Münzen im heutigen Südbayern mit einer nur ca. 0,35 g schweren Goldmünze einsetzte. Dieser 1/24-Stater mit dem Januskopf auf der Vorderseite orientierte sich noch stark an römischen Vorbildern, in der übrigen keltischen Welt griff man hingegen bevorzugt griechische Münzmotive auf.

Ab dem letzten Drittel des 2. Jh. v. Chr. prägten die Kelten im heutigen Süden Bayerns zunehmend Münzen, die in ihren teils abstrakt, teils naiv bis hin zu modern wirkenden Münzbildern ein Abbild keltischen Kunstverständnisses in der späten Latènezeit geben. Darunter besonders die sogenannten Regenbogenschüsselchen. Diese schüsselförmig gewölbten Münzen wurden nach einem starken Gewitterregen vereinzelt auf den Feldern freigespült und dadurch ‒ mit viel Glück ‒ für einen etwaigen Finder gut sichtbar. So entstand im Laufe der Zeit der (Volks-)Glaube, dass die Münzen immer dort auftauchen, wo sich der anschließende Regenbogen aufbaut. Die Münzmotive aus der Welt der keltischen Mythologie und Religion sowie der (aristokratischen) Lebenswelt sind zum Teil nur schwer zu deuten. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Kelten keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen haben.

Die anderen Teilsammlungen der "Staatlichen Münzsammlung München" in bavarikon