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Die archäologischen Funde aus Manching

Diese Sammlung ist Teil des Bestandes "Archäologische Funde" der Archäologischen Staatssammlung München.

Das Fundmaterial aus Manching und Umgebung zeigt ein lebendiges und detailreiches Bild dieser frühesten stadtartigen Siedlung in Süddeutschland. Zu den ältesten Schriftzeugnissen nördlich der Alpen zählt eine Scherbe mit lateinischen Buchstaben "BOIOS" - wohl ein Personenname der sich vom Stamm der Boier im heutigen Böhmen herleitet.

Viele Hinweise, sprechen für enge Verbindungen in den Raum östlich des Bayerischen Waldes. Zahlreiche Funde von Münzen aus Gold, Silber und Bronze, Münzstempel sowie eine kleine eiserne Geldbörse zeugen vom Beginn des Handels auf Basis des Münzwesens. Manching zählte einst zu den bedeutendsten Produktions- und Exportzentren für Glasschmuck in Europa.

Ein bestens gehütetes Geheimnis war die Herstellung der Ringe und Perlen und der Umgang mit gefärbten Glasmassen. Das Rohglas stammte vermutlich aus Glaszentren des Mittelmeerraumes, z. B. Palästina. Die Halbfabrikate aus Manching belegen jedoch eine Materialverarbeitung vor Ort. Zahlreiche Funde eiserner Werkzeuge untermauern, dass sich im Oppidum verschiedenste Gewerke konzentrierten.

Eine Schüsselfibel und eine Bügelknotenfibel, nördlich der Alpen sehr seltene Schmuckstücke, gelangten als Bestandteil eines vornehmen Gewandes wohl aus Norditalien hierher. Über Wasserwege sind hellenistische Schliffgläser, neben einfarbigen Gläsern besonders die aus bunten Glassteinchen (Millefiori) zusammengesetzten Glasschalen, belegt, die meist im östlichen Mittelmeerraum, im syrisch-palästinischen Raum hergestellt wurden. Zusammen mit Wein wurde auch mediterranes Trink- und Speisegeschirr importiert. Als besonderes Geschirr galt Keramik mit einem schwarzen Glanztonüberzug aus dem süditalienischen Campanien.

In Bayern einzigartig ist ein römisches Tafelservice aus Silber für eine Person. Es zeugt von einer verfeinerten Lebensart und wird in den nördlichen Provinzen des Imperiums vergleichsweise selten gefunden. Einzigartig sind auch der Kopf einer Pferdeplastik aus Eisenblech und das Goldbäumchen. Dieses wird als ein mit Efeu umrankter Eichenspross interpretiert, der in feierlichen Prozessionen als sakrales Objekt mitgeführt wurde. Eine Rarität ist zudem ein eiserner Halsreif, von dem vier Kettenstränge ausgehen, die ursprünglich in Hand- und Fußfesseln endeten.

Die zwei Gräberfelder "Am Hundsrucken" und "Steinbichl" stellen zusammen die größten und fundreichsten Bestattungsplätze der jüngeren vorrömischen Eisenzeit Südbayerns dar und unterstreichen die Bedeutung der Manchinger Siedlung.

Die zugehörigen Fundgruppen der "Archäologischen Funde aus Manching" in bavarikon

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